Warum zervikogene Schwindelattacken eine irreführende Diagnose sind
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Firat Kesgin
Firat ist der Gründer des Deutschen Instituts für Vestibularrehabilitation und unterrichtet seit Jahren postgraduale Kurse in ganz Europa. Sein Schwerpunkt liegt darauf, dass Ärzt:innen und Therapeut:innen Schwindel- und Gleichgewichtsstörungen besser verstehen und behandeln können. Neben seiner klinischen und lehrenden Tätigkeit arbeitet Firat aktuell an einer PhD-Arbeit zur Standardisierung der BPPV-Tests sowie zur Umsetzung strukturierter vestibulärer Rehabilitationsprogramme in der ambulanten Versorgung.
Beschreibung
In dieser Folge spricht Firat Kesgin, Gründer des Deutschen Instituts für Vestibuläre Rehabilitation, über das umstrittene Thema zervikogener Schwindel. Er stellt die Aussagekraft dieser Diagnose infrage und argumentiert, dass Schwindel, der häufig mit Nackenschmerzen und eingeschränkter Beweglichkeit der Halswirbelsäule einhergeht, nicht als eigenständige Erkrankung betrachtet werden sollte. Kesgin bezieht sich auf die Position der Barani Society, wonach der Zusammenhang zwischen zervikalen Problemen und Schwindel keine hochwertige Evidenz hat. Er erklärt, dass Patient:innen mit vestibulären Störungen die Kopfbewegung oft einschränken, sodass es mit der Zeit zu Problemen im Nackenbereich kommt, die dann fälschlicherweise als zervikogener Schwindel gedeutet werden können. Kesgin betont, wie wichtig eine korrekte Diagnostik ist – und welche Risiken bestehen, wenn man sich auf Diagnosen stützt, die vor allem durch Ausschluss anderer Ursachen entstehen. Er macht deutlich, dass spezialisiertes Wissen zu vestibulären Störungen nötig ist, um Fehlzuweisungen und unnötige Behandlungen zu vermeiden. In der Diskussion geht es außerdem um die psychologischen Aspekte von Schwindel – im Vergleich zu chronischen Schmerzsyndromen, bei denen das zentrale Nervensystem eine entscheidende Rolle spielt. Kesgin plädiert für ein umfassenderes Verständnis vestibulärer Störungen und warnt davor, komplexe Symptome mit simplen mechanischen Erklärungen abzutun.